Washington DC.
Heute morgen noch einmal im Beisein meiner Frau Mama Dr. T.‘s Mahagonitisch mit intensiven Konjunktiven überworfen. Sie konnte beim unwahrscheinlichen, doch möglichen worst-case-Szenario einer misslungenen Auto-Transplantation meiner eigenen Leber, in Folge des Abgangs dergleichen ich mit klaffender Höhle auf der Schneide einer sofortigen Fremdleber stünde , ihre Tränen nicht zurück halten. Auch habe ich dieses eine Mal ihrer partiellen Verständnisschwierigkeiten im Englischen meinen ehrlichen Dank ausgesprochen, hatte sie doch sonst schon genug ehrliche Worte abgekommen. Doch in toto hielt sie sich sehr gut und konnte mir nach Ende der Sitzung eine Einschätzung Dr. T.s liefern. Sie war die Erste, die mein eigenes Bauchgefühl gegenüber und meine alleinige Entscheidung für Dr. T. um eine vertraute Meinung bereicherte. Denn so allein ich die Entscheidung vor einer Woche eingelassen hatte und so allein ich die folgenden Tage ihren lauernden Schatten hinterrücks herum getragen hatte, so allein habe ich sie letztlich auch wieder vertrieben. Heute wurde das Allein-Agieren das erste Mal durchbrochen. Ihre Würdigung Dr. T.s als nicht nur ausnehmende Persönlichkeit – was seine Stellung quasi zwangsläufig erwarten lässt –, sondern auch als menschlicher Operateur beruhigte mich denn auch. Zwar wäre ich auch im Wissen um eine Skepsis gegenüber desjenigen Mannes, der das zweimal gescheiterte Unterfangen zum Erfolg zu führen sich aufbürdet, das morgige Wagnis eingegangen. Die Alleinkämpferin wäre trotz Bedenken von Vertrauten ihrer eigenen inneren Stimme gefolgt. Doch ist sie durch die Bestätigung von Seiten ihrer Frau Mama der nicht allzu dunklen Aussicht, ja vielmehr der hellen Erfolgschance des Abenteuers stärker gewiss.
Nach dieser kräftigenden Bescheinigung meines guten Gefühls gegenüber und mit Dr. T. nur mehr letzte prä-operative Untersuchungen, letzte Walking-Runde am Lincoln Memorial, letzte tiefe Atemzüge im bissigen Wind des sich in den Winter werfenden Washingtons. Ich weiß nicht, wann ich diesen Wind das nächste Mal in meinem Gesicht spüren werde und weiß deshalb auch nicht, wann ich mich wieder des Schreibgriffels bedienen kann. Erst einmal muss der Schicksalsstift zu einem schwunghaften, gelungenen, erneuerten T geführt werden. Ich verschwinde daher lautlos für unbestimmte Zeit, was ich mangels Bescheidenheit, indes auf Grund von Erfahrung mittlerweile meisterlich zu vermögen angebe. Doch kann ich dem Leser garantieren, dass ich bis zu meiner Wiederkehr den Schicksalsstift, den ich morgen eifrig ergreifen werde, noch krampfhafter in meiner Hand halten werde als meinen getreuen Schreibgriffel, dessen Erzeugnis diese Lettern sind.
December 2, 2009 at 9:45 am |
Ich wünsche dir von Herzen, dass alles gut geht, ich denke an dich und hoffe – und glaube! mit dir, dass alles gut gehen wird! *umärmel*
Hoffentlich hören wir bald wieder von dir….
December 23, 2009 at 8:57 am |
Ich hoffe, dir geht es gut und du hast die OP gut überstanden… Auch, wenn du es vermutlich nicht sehen kannst, ich wünsche dir ein schönes Weihnachten und eine möglichst schöne Zeit…